Produktivitätszerfall während der Fussball-WM?

Immer mal wieder regen mich JobBlog-Leser per Mail zu neuen Artikeln an. Manchmal reicht so ein Denkanstoss, um innert weniger Minuten einen neuen Beitrag zu verfassen.

Aber nicht immer. Schon seit über einem Monat ist das Mail von Stefan Bucher noch offen und plagt mich tagtäglich mit einem schlechten Gewissen:

Was meinst du eigentlich zu der Fussball-WM-Euphorie in vielen Firmen?
– Mitarbeiter dürfen Spiele schauen während der Arbeitszeit.
– Tipp-Spiele werden von höchster Ebene organisiert.
– Das Intranet wird mit Fussball-Motiven umgestaltet und spezielle Foren eingerichtet.
– Eigene Fussball-Tourniere werden organisiert.
Ein Teil davon darf sicher als Mitarbeiter-Motivation gesehen werden. Aber geht das alles nicht etwas zu weit?
Würde mich freuen, vielleicht deine Beurteilung in einem Jobblog-Eintrag zu lesen.

Immer wieder drehte dieser Anstoss (ha, Wortspiel!) in meinem Kopf. Aber es wollte mir einfach nichts Schlaues dazu einfallen (was sicher auch daran liegt, dass mir Fussball nur sehr, sehr wenig sagt).

Jetzt rettet mich (zumindest teilweise) die NZZ: König Fussball stoppt deutsche Autoproduktion.

7 Antworten auf „Produktivitätszerfall während der Fussball-WM?“

  1. Ich glaube, dass die Fußball-Euphorie zumindest hier in Deutschland selbst die Euphorischen ziemlich überrascht. Mitunter wird ja gerne gesagt, dass wir Deutschen uns mit unserer Identität schwer tun. In diesen Tagen ist davon nichts zu spüren. Jeder Berater und Trainer, der in diesen Tagen für sich und seine Arbeit werben wird weiß, dass er nur sehr wenig Reaktion aus den Unternehmen bekommt. Alle sind mit König Fußball beschäftigt.
    Was würde jetzt passieren, wenn die Firmen sich von der Fußball abgrenzen würden?
    Das kann natürlich niemand sagen. Aber ich denke, sie ständen auf ziemlich verlorenen Posten und die Geschäftsführung würde sich sehr unbeliebt machen. Jetztendlich ist die gemeinsame Begeisterung ein verbindendes Element und vielleicht bewirkt es am Ende mehr, mit dem Chef zu jubeln, als ein dröges Seminar über Teambildung zu besuchen.

    Was mich im Falle der Autohersteller wundert, ist doch die Chance, die hier vertan wird. Warum feiern nicht alle Mitarbeiter das Spiel vor einer Videowand im Unternehmen? Mehr Gemeinsamkeit läßt sich doch kaum schaffen.
    Stattdessen sollen die Mitarbeiter diese Momente zuhause allein vor dem Fernseher verbringen. Wie schade!

  2. Mir fällt auf, dass die Fußball-WM hauptsächlich auf die Männer abgestimmt ist – soll heißen:

    Welches frauentaugliche Event müsste stattfinden, dass Frauen in Firmen vor Videobildschirmen zittern – eine Sonderfolge von „Sex and the City“ (nööö, das könnte frau ja auch zu Hause auf Video bannen, muss ja nicht sofortigst angeguckt werden), eine Königshochzeit, -krönung, -geburt, Beerdigung eines Prominenten (konnte manfrau da eigentlich auch frei kriegen, als der Papst zu Grabe getragen wurde???)?

    Bzw:
    Würde Mann sich darüber Gedanken machen, ob für Frau gewisse Events so wichtig wäre, dass sie unmittelbar „am Ball“ sein muss?

    Soll weiterhin heißen:
    Ist es wirklich WICHTIG, was derzeit abläuft?

    Nix gegen fußballerische Meisterleistungen.
    Find ich klasse, was man so alles mit einem Ball anstellen kann.
    Kann beileibe nicht jeder. Und will ich wirklich nicht abwerten.

    Ich will auch Springreiten nicht abwerten.
    Oder Schachspielen – geschweige denn Beach-Volleyball.
    Auch hier könnten wir heiße Tränen der Identität weinen bzw. Teil eines Ganzen werden:
    Nämlich hupender Teil eines Autokorso, die jeweilige Landesflagge schwenkend und aufgeregt zu Fuß gehende Nachbarn grüßend, an denen man vorher jahrelang elegant vorbeigesehen hat.

    Alles BALLa-BALLa oder was?

  3. ich habe von weiblichen Bekannten gehört, dass sie durch die WM endlich einmal ein Gesprächsthema mit den sonst so unfreundlichen Arbeitskollegen hatten…Fussball verbindet offensichtlich …*lach*

  4. Ich bin inzwischen nicht mehr so kritisch eingestellt wie in meiner Frage. Ich habe einige Spiele in der Firma in der „WM-Lounge“ verbracht. Ich habe die Aktivitäten im Grossen und Ganzen als nicht aufdringlich empfunden. Etwas von dem Gemeinschftlichen des Fussball-Schauens ist wohl auch in die Team gelangt, was gut tat.

    Ich meine, an den Aktivitäten konnte sich freuen wer wollte, Mann oder Frau. Wer nicht wollte, arbeitete eben wie gewohnt.

    In meiner Erfahrung gab es andere Veranstaltungen, die ebenfalls ganze Teams vor den Fernseher lockten: Etwa die Bundesrats-/Bundesrätinnen-Wahlen.

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