Auftrag verloren – Erfahrung gewonnen

Vor rund 2 Wochen habe ich eine sehr interessante Anfrage für eine Führungsentwicklung in einem 15-Menschen-Unternehmen bekommen.

Zwei Eigentümer, die vor rund 10 Jahren gemeinsam die nach wie vor erfolgreiche Firma gegründet haben, haben sich in der letzten Zeit (beruflich) etwas auseinander gelebt. Gemeinsam haben sie beschlossen, kritisch zu überprüfen, ob sie vereint oder getrennt in die Zukunft gehen wollen. Dazu wollen sie neue Formen in der Führung und in der Zusammenarbeit während des ganzen Jahres austesten und sich dabei von einem Berater begleiten lassen. Und das, ohne sich von der eigenen Verantwortung für die Entscheidung drücken zu wollen!

Tolle Menschen, tolle Ausgangslage, tolles Arbeitsfeld!

Das vorgängige Telefonat und das gut 1-stündige persönliche Gespräch mit beiden Partnern war sehr aufschlussreich und hat mich überzeugt: hier will und kann ich nützlich sein!

Will er? Kann er? Darf er?

Er darf nicht! Nachdem ich letzte Woche meine umfassende Offerte mit integriertem Grobkonzept abgegeben habe (solche Themen will ich nicht mit einer 08-15-Offerte abhandeln und betreibe deshalb gerne etwas mehr Aufwand), habe ich gestern den traurigen Bescheid bekommen:

Die Partner haben sich nach reiflicher Überlegung für einen anderen Coach entschieden :-( Warum? „Es war eine sehr, sehr knappe Entscheidung, die wir uns nicht leicht gemacht haben. Aber der andere Anbieter hat die psychologischen/menschlichen Aspekte etwas mehr betont, was uns wichtig war.“

Ui, das ärgert mich! Denn die menschlichen Aspekte sind mir in meiner Tätigkeit als Coach auch wichtig – es ist nicht meine Art, alles nur auf der Kopfebene abhandeln zu wollen. Nachdem aber der eine Eigentümer im Gespräch mehrmals Bemerkungen wie „Es geht nicht um unsere Befindlichkeit“ hat fallen lassen, habe ich das so interpretiert, dass sich die beiden primär auf die sachlichen Aspekte beschränken wollen (ist grundsätzlich ok, das andere kommt erfahrungsgemäss von alleine mit rein.) Wieso habe ich da bloss nicht (in meiner sonst eher hartnäckigen Art) nachgehakt?

Prompt in die Alles-klar-Falle reingetappt! Ärgerlich!

Und dann noch eine zweischneidige Sache: „Wir danken Ihnen für das Grobkonzept in Ihrer Offerte. Wir werden einiges daraus in der Zusammenarbeit mit dem anderen Berater verwenden können.“ Einerseits: schön, freut mich, wenigstens das … Andererseits: Viel Know-how, viel Denkarbeit und viel Herzblut in das Konzept und in die Offerte investiert und das alles für null-komma-null Franken (auch als Berater lebt man ja nicht nur von der Freude an der Arbeit)! Jetzt habe ich das lange genug vor mir her geschoben: jetzt will ich endlich sinnvolle (und natürlich auch kundentaugliche!) Allgemeinen Geschäftsbedingungen!

Langer Rede kurzer Sinn: Auftrag verloren – Erfahrung gewonnen!

Nämlich:

  1. Ist mir grundsätzlich schon klar: nicht aus jeder Offerte kann ein Auftrag werden. Aber es ist immer schmerzlich, einen Auftrag nicht zu erhalten (vor allem wenn’s einer der ganz besonders „tollen“ Sorte gewesen wäre). Nun, ich werte es als „gutes Zeichen“, dass es mir nicht egal ist, einen Auftrag zu verlieren. :-)
  2. Mal wieder hinter die Ohren schreiben: Nichts ist klar, solange es nicht wirklich klar ist! Also: nachfragen, nachfragen, nachfragen! Und: nachhaken, nachhaken, nachhaken!
  3. Genug aufgeschoben: Habe mir heute meinen Entwurf der AGB „zur Brust genommen“ und richtig gute Allgemeine Geschäftsbedingungen zu Papier gebracht. Da steht jetzt unter anderem: „Wenn kein Auftrag zustande kommt, verrechnen wir bei kundenspezifischen Offerten einen pauschalen Unkostenbeitrag (CHF 300.– bei einfachen, CHF 900.– bei komplexen Offerten). Dieser wird als Abgeltung für den Inhalts- und Entscheidungs-Nutzen verstanden, welcher der Kunde aufgrund einer Offerte in jedem Fall hat.“

Na also, war doch nicht alles umsonst :-) !

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