Was eine starke Persönlichkeit ausmacht

Der PR-Berater und Öffentlichkeitsarbeiter Maurice Morell schreibt im MMBF-Blog: Mensch als Marke: Die Eigenschaften starker Persönlichkeiten

Er greift darin eine These von Prof. Dr. Dieter Herbst (Universität der Künste in Berlin) auf, der die Lesereihe „Mensch als Marke“ herausgegeben hat:

Nur Persönlichkeiten schaffen Vertrauen

Die Merkmale, die dieses Vertrauen schaffen, sind nach Herbst:

  1. Wechselseitigkeit (der permanente Austausch mit seinem Umfeld, ohne die eigene Individualität aufzugeben)
  2. Beständigkeit (jede Persönlichkeit entwickelt sich weiter; der Kern – die Grundwerte – muss aber bestehen bleiben)
  3. Widerspruchsfreiheit (die Eigenschaften der Persönlichkeit sind widerspruchsfrei kombiniert)
  4. Einzigartigkeit (das Umfeld kann einen merklichen Unterschied zu anderen Menschen feststellen)

Ich teile diese Ansicht, zumindest im Wesentlichen. Einzig bei der Widerspruchsfreiheit komme ich gedanklich ins Stolpern. Denn …:

  • … das Streben nach Widerspruchsfreiheit ist gefährlich – weil es dazu verleitet, in seinen Aussagen und in seinem Verhalten Unsicherheiten zu verbergen und zu überspielen
  • … Widersprüche, Unsicherheiten, (Selbst-)Zweifel usw. sind – wenn sie aufgelöst und integriert werden – ein wesentlicher Motor für die persönliche Entwicklung
  • … wer danach strebt, seine (eigenen) Widersprüche zu unterdrücken wird sein inneres Team nie zum gemeinsamen Denken und Handeln bringen
  • … wer nach aussen so tut, als hätte er/sie keine Widersprüche, Konflikte und Unsicherheiten in sich drin, ist und wirkt niemals echt – Authentizität ist Trumpf!

5 Antworten auf „Was eine starke Persönlichkeit ausmacht“

  1. Mit diesem deinem wie immer wohl gelungenen Eintrag habe ich mich eingehend beschäftigt – obwohl ich ansonsten natürlich ein perfektes Wesen bin, bin ich (natürlich nur äußerst selten) auch nicht rückstandslos widerspruchsfrei, hihi!

    „Unpassende“ Widersprüche könnten für mich sein:
    – Der Minister für Umwelt fährt ein vier-Liter-Auto (vier Liter Hubraum, wohlgemerkt)
    – Ein Mensch mit 150 Kilo Lebendgewicht hält Kurse übers Abnehmen
    – Ein coachpotatierender Trinker und Raucher ist der Chef einer Krankenkasse.
    – Der Bock wird zum Gärtner gemacht ;-)

    Unsere kleinen Widersprüche, die wir in uns tragen, sind doch schnuckelig dagegen – Prinzipienreiterei find ich langweilig.

  2. „Authentizität ist Trumpf!“
    Das kann ich nur ebenso unterstreichen.

    Wenn die o.g. Merkmale Vertrauen schaffen und starke Persönlichkeiten ausmachen, heisst dass doch inho nicht, dass eine starke Persönlichkeit perfekt wäre.

    Vielmehr baute sie umso mehr Vertrauen auf, wenn sie die o.g. Merkmale in sich vereint. Wer in seinem Handeln also besonders Widerspruchsfrei von anderen Menschen wahrgenommen wir, erreicht eine größeren Vertrauensbonus bei seinen Mitmenschen als andere.

    Da wir alle „auf dem Weg“ sind, gefällt mir persönlich diese Art der Interpretation wesentlich besser.

  3. … ja genau das mit der widerspruchfreiheit finde ich auch nicht so. Mario Adorf hat in seiner Autobiographie eine gute Einleitung geschrieben, der Mensch ist nie Widerspruchsfrei solange er lebt… er beschreibt das noch gut und so sehe ich das auch.

  4. Eine interessante Debatte! Ich kann der Anmerkung von Marcel Widmer nur zustimmen. Zur Authentizität gehört zwar auf jeden Fall eine Widerspruchsfreiheit von Wort und Tat, aber wohl kaum die Freiheit von inneren Widersprüchen und Zweifeln, denn sie sind
    1. unvermeidlich (wir denken nur an das Prinzip von Yin und Yang)
    2. der Anlass, sein eigenes Denken und Handeln zu Hinterfragen und damit zur Selbst-Bewusstheit beizutragen. Denken wir nur an Decartes:“Der Zweifel ist aller Weisheit Anfang.“

    Ich habe dem Thema „Authentizität“ übrigens einen eigenen Blog gewidmet. Wer Lust hat, kann ja mal vorbeischauen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.