Am Beginn der Karriere muss ein junger Manager einen Rollenwechsel vollziehen: er wird vom Fachspezialisten ohne Leitungsfunktion zum Manager, der auch verantwortlich ist für Führung, Förderung und Beurteilung von Mitarbeitern.

Dieser Rollenwechsel macht vielen Schwierigkeiten: oft muss die neue Rolle unvorbereitet übernommen werden – „Sie werden das schon schaffen!“. Im günstigsten Fall wird der künftige Manager in ein 3-tägiges Seminar geschickt, muss dann aber feststellen, dass in der Praxis alles anders und vieles noch unklar ist:

  • Insbesondere sehr guten Fachspezialisten kann es schwer fallen, in die Führungsaufgabe zu wechseln, wo eher Breite statt Tiefe im Denken und Handeln verlangt ist.
  • Im Zusammenhang mit der Führung von Mitarbeitern gewinnen die sozialen Kompetenzen enorm an Bedeutung – eine Fähigkeit, die vorher vielleicht kaum oder gar nicht zum Tragen gekommen ist.
  • Die Mitarbeiter stellen den jungen Chef gleich von Anfang auf die Probe und wollen austesten, wo die Grenzen liegen. „Laufen lassen oder Zügel anziehen?“ – das ist hier die Frage.
  • Bisher genügte es, seine Position durch das Fachwissen zu festigen. Jetzt sind plötzlich auch taktisches und politisches Geschick gefragt. Aber wie macht man das?
  • Der Kollege auf der gleichen Stufe, der bisher so umgänglich und hilfsbereit war, ist irgendwie anders. Klar: der Neue ist nun plötzlich ein Konkurrent auf dem Weg nach oben.
  • Und nicht zuletzt macht dem jungen Chef die Erwartungshaltung Druck: den Vorgesetzten, der grosses Vertrauen in einen setzt, und die Ehefrau, die so unendlich stolz ist, möchte man auf keinen Fall enttäuschen.

Fragen über Fragen und Unsicherheiten am Laufmeter, die den jungen Manager plagen. Und gleichzeitig spürt er, dass er nicht mehr so offen über seine Sorgen und Zweifel sprechen kann: mit der ersten Stufe in der Management-Hierarchie hat er auch die erste Stufe auf dem Weg zur Einsamkeit erreicht.

Was also tun?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass diese Unsicherheiten normal sind. Und ein gutes Zeichen dafür, dass sich der Betroffene bewusst ist, dass jetzt andere Aufgaben anstehen, in denen andere Fähigkeiten genutzt werden müssen.

Aber mit wem kann sich der Jung-Manager austauschen?

Mit dem eigenen Vorgesetzten? Vielleicht. Aber da ist zu bedenken, dass der auf keinen Fall frei von eigenen Interessen und Verantwortlichkeiten sein kann. Mit einem Mitarbeiter? Nichts gegen einen offenen Führungsstil, aber solche diffizilen Themen sind nichts für Mitarbeiterohren! Mit eine guten Freund? Vielleicht. Wenn er offen sein kann und damit trotzdem nicht die Freundschaft aufs Spiel setzt. Mit einem Coach? Ja!

Coaching – ein Zeichen der Schwäche? Nein! Sinn und Zweck des Coaching – und das ist ganz wichtig – ist nicht Reparatur, sondern Entwicklung der eigenen, vorhandenen Ressourcen.

About Marcel Widmer

Hallo, ich bin Marcel Widmer, Baujahr 1960 und lebe mit meiner Familie in der Schweiz am Zürichsee. Ich bin selbstständiger Job-Coach, Personalberater und Trainer, Ehemann und stolzer Vater einer Tochter sowie gesellschaftlich engagierter Mensch. Seit Dezember 2004 publiziere ich persönlich und authentisch – in diesem Blog wie auch in Fach- und Experten-Weblogs wie im JobBlog.