Nach Desk Sharing sollen nun neue Bürokonzepte wie „Business Clubs“ und „Hotelling“ den Unternehmen helfen, die Raumkosten zu senken:

In den 90er Jahren war Desk Sharing das Konzept der künftigen Bürogestaltung schlechthin. Die Vorstellung hatte damals etwas Science-fiction-haftes: der superflexible Mitarbeiter, der seinen Schubladenkorpus hinter sich her zieht, sich einen x-beliebigen Schreibtisch sucht und dort mit der altbekannten Zufriedenheit seiner Arbeit nachgeht. Nach gut 10 Praxisjahren kann man sagen: dieses Konzept hat sich in der Breite nie durchsetzen können. Warum? Es hat die persönlichen und sehr individuellen Bedürfnisse zu wenig einbezogen.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun von neuen Konzepten und vom mobilen Mitarbeiter, der zwischen Denkerzellen und Lounges wechselt. Die internationale Unternehmensberatung accenture hat an seinem Sitz in München das Business-Club-Modell realisiert: offene Büros und geschlossene Zimmer für ein oder zwei Mitarbeiter, Projekträume für Kleingruppen und grosse Besprechungsräume. Die Mitarbeiter buchen die Räume nach ihrem ganz spezifischen Bedarf im Voraus.

Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung des neuen Konzepts werden auch hier die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden sein. Lounge-Bereiche mit Sofas zum kurzen, ungezwungenen Austausch, „Servicepoints“ mit Drucker und Kleinküche und Stehkonferenz-Bereiche kommen diesen Bedürfnissen entgegen und fördern die Kommunikation untereinander.

Wenn es uns gelingt, für die Bedürfnisse der Mitarbeiter eines Unternehmens individuelle Bürokonzepte zu designen und parallel dazu die Arbeitsprozesse zu optimieren und anzupassen, dann wäre das der neue Arbeitsplatz der Zukunft.

… sagt dazu Sandra Schmidt, die als Change Managerin die Swisscom berät. Die Nummer 1 im Schweizer Telekommunikationsmartk investiert über 150 Mio. Schweizer Franken in ein Umstrukturierungsprojekt, bei dem 20 000 Mitarbeitende betroffen sind: die klassische Büroorganisation mit Einzel- und Grossraumbüros und Sitzungszimmern wird nach und nach durch Business Clubs ersetzt.

Wer schon in Grossfirmen gearbeitet hat, weiss aus eigener Erfahrung, dass hier heisse Eisen angefasst werden. Die Positionierung des eigenen Schreibtischs, die Möglichkeit kleine Privataltare auf dem Bildschirm zu gestalten, die Galerie der Ferienpostkarten an der Wand: wer in seinem Privatreich gestört wird, riskiert schon mal einen Endloskonflikt mit guten Arbeitskollegen.

Wenn man an die erste Grossraumbüros aus den Anfangszeiten der Industrialisierung zurückdenkt und sich gleichzeitig vor Augen hält, wie heutige Bürokonzepte aussehen, muss man davon ausgehen, dass sich die unsere Arbeitswelt auch diesbezüglich ändern wird. Ändern muss, um die Kosten zu optimieren und gleichzeitig die Kommunikation untereinander zu fördern. Es bleibt abzuwarten, ob „Business Clubs“ und „Hotelling“ den gewünschten Effekt bringen werden.

(Sind unter meinen Leserinnen und Lesern solche, die bereits Erfahrung mit solchen Bürokonzepten gemacht haben? Dann wäre Ihre Schilderung in einem Leserbrief höchst interessant!)

About Marcel Widmer

Hallo, ich bin Marcel Widmer, Baujahr 1960 und lebe mit meiner Familie in der Schweiz am Zürichsee. Ich bin selbstständiger Job-Coach, Personalberater und Trainer, Ehemann und stolzer Vater einer Tochter sowie gesellschaftlich engagierter Mensch. Seit Dezember 2004 publiziere ich persönlich und authentisch – in diesem Blog wie auch in Fach- und Experten-Weblogs wie im JobBlog.