Bisher gingen allen meine Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören, bachab. Nach zig Versuchen habe ich es aber vor 2 Wochen endlich geschafft, eine 31 lange Jahre (!) andauernde „Karriere“ als Raucher zu beenden.

Ein paar Gedanken zur Motivation …

  • Dass ich meinem Körper Tag für Tag Schaden zugefügt habe, war mir schon klar. Und deshalb haben mir auch die unsinnigen Texte auf den Zigarettenschachteln nicht wirklich neue Erkenntnisse gebracht.
  • Akupunktur, Allen Carr, Reduktion, die Nur-der-Wille-zählt-Methode, Nikotin-Pflaster usw. usf. – es gibt wahrscheinlich nichts auf dieser Welt, was ich nicht schon probiert hätte, um mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Ein Auslöser war für mich Thilo Baums Methode „Nichtraucher in 5 Stunden„. Mein „Göttibueb“ (Patenjunge) hat mir eine Radiosendung mit Thilo aufgezeichnet und ich habe mir diese über den iPod angehört (und ein paar Notizen als Gedankenstütze gemacht).
  • Was mich aber am meisten motiviert hat, ist zum einen meine Tochter, die sich das so sehr zu ihrem 10. Geburtstag gewünscht hat, und zum anderen mein „Göttibueb“, der mich auf die Methode mit Thilo gebracht hat (und übrigens selbst mit dieser Methode mit dem Rauchen aufgehört hat). Ich danke Euch beiden!

… und zu den vergangenen 14 Tagen

  • Eigentlich wollte ich die letzte Zigarette ganz bewusst rauchen – eigentlich. Die Zeit am vorletzten Sonntag war aber verdammt knapp, um den entscheidenden Trick – „Wir legen den Entzug einfach auf die Nacht“ – noch berücksichtigen zu können. Also habe ich mich um 17:00 einfach entschlossen, dass die Zigarette, die ich um 16:15 geraucht habe, einfach meine letzte gewesen sein soll.
  • Die Stunden vor dem Zubettgehen (ich gebe zu: ich bin rund 1 Stunde früher in die Feder gehüpft als sonst) waren überhaupt kein Problem. In der Nacht bin ich ein paar Mal aufgewacht; ich meine, nicht wegen des Nikotinentzugs, sondern aufgrund der inneren Unruhe (hey, ich war gerade dabei, mein Leben nach 31 Jahren massiv zu verändern!).
  • Ich befürchtete, dass der erste Morgen schwierig sein würde. Werde ich es ohne „Guten-Morgen-Zigarette“ schaffen? Es ging – viel problemloser als ich angenommen hatte. Auch der ganze Montag, der erste rauchfreie Tag, war weit einfacher, als ich geglaubt hatte: ich spürte körperlich, dass etwas anders war (es fühlte sich so neblig/wie in Watte an) und ich hatte an diesem ersten Tag verdammt Mühe, mich über längere Zeit zu konzentrieren.
  • Das komische Gefühl war am zweiten Tag so gut wie weg; die Konzentrationsschwierigkeiten hielten noch 2, 3 weitere Tag an; die Schlafstörungen waren nach 4 Nächten auch wieder weg; die dünne Nervendecke spürten hörten aber meine 2 Lieblingsfrauen zu Hause während der ganzen ersten Woche (danke, dass Ihr vieles so grosszügig überhört habt!).
  • Der körperliche Entzug (physische Abhängigkeit durch Nikotin & Co.) sowie die Umstellung der Gewohnheit (psychische Abhängigkeit) lief in etwa so ab, wie ich mir das vorgestellt hatte (war aber in der subjektiven Empfindung viel schwächer als ich das angenommen habe). Insbesondere der körperliche Entzug war nach einigen Tagen so gut wie nicht mehr spürbar. Die Gewohnheiten („Immer wenn ich aus dem Zug steige …“), werden mich natürlich noch lange begleiten – sie plagen mich aber nicht mehr.
  • Was mich wirklich verblüfft hat, war die Auswirkung auf mein Zeitgefühl. Die ersten Tage (die ganze erste Woche überhaupt) gingen nur sehr, sehr langsam vorüber: um 15:00 hatte ich Gefühl, es seit etwa 17:00, am Mittwoch meinte ich, es sei bereits Freitag. Mir wurde dann plötzlich klar: bei 40-60 Zigaretten, die ich pro Tag rauchte, hatte mein Tag auf einen Schlag rund 2 Stunden mehr. Den Umgang mit diesem Mehr an Zeit musste ich über eine Woche lang „lernen“.
  • Was ganz anders war als bei den zig Versuchen in den Jahren zuvor: Ich hatte von der ersten Stunde an die Gewissheit, dass ich es schaffe! Oder noch präziser: ich wusste, dass ich es bereits geschafft habe! Das ist erstaunlich und für mich die frappanteste Erkenntnis dieser 2 Wochen! Ich habe mir dabei auch nie (wirklich nie) Gedanken gemacht, ob ich es schaffen werde – es war für mich nicht von Bedeutung. Ich wusste aber eines 1000%-ig: die nächste Zigarette rauche ich nicht! Und das war wohl (einer) der Schlüssel zum Erfolg.
  • Es gibt zwei Dinge, die ich völlig anders erwartet hätte und die mich deshalb erstaunen: Man liest immer wieder, dass sich der Geschmackssinn sehr schnell erholen würde; davon merke ich nicht (wobei ich trotz der vielen Jahre als Raucher immer einen guten Sinn für den Geschmack hatte). Mich hat es nie gestresst, wenn andere geraucht haben; selbst dann nicht, wenn der Rauch ihrer Zigaretten in meine Nase zog; am Freitag habe ich einen Workshop geleitet und stand in der Rauchpause sogar bei den rauchenden Teilnehmern. Problemlos!
  • Die Unterstützung meiner Liebsten, der Kolleginnen und Kollegen im Geschäft, der Kunden und vieler anderer hat mir geholfen – mein herzlicher Dank an Euch alle! Nehmt mir aber bitte den folgenden Satz nicht übel: Ich hätte es auch ohne diese Unterstützung geschafft – irgendwie kam bei diesem Versuch die Energie von innen!

Wenn Ihr Raucherinnen und Raucher jetzt befürchtet, ich würde ab heute missionieren („Du, es ist wirklich ganz einfach. Hör einfach auf und spüre, wie das Leben in Dich zurück kommt!“), dann kann ich Euch beruhigen. Das werde ich nicht heute, nicht morgen und auch in Zukunft nicht tun. Vielleicht hört Ihr eines Tages auf (und dann erinnert Ihr Euch vielleicht an diesen Bericht hier) – oder Ihr tut es nicht. It’s your life! (OK, auch ein bisschen das Eurer Liebsten …)

P.S. / @ Thilo (falls Du hier liest): 1) Die lockere Art, wie Du und Holger Klein auf Fritz über das Nichtrauchen geplaudert habt, war sehr sympathisch und vermutlich auch ein Schlüssel zu meinem Erfolg – ein herzliches Dankeschön an Euch beide! 2) Bin ich jetzt eigentlich Ex-Raucher oder Nicht-Raucher? Ich müsste dann halt noch den Titel dieses Beitrags anpassen ;-)

About Marcel Widmer

Hallo, ich bin Marcel Widmer, Baujahr 1960 und lebe mit meiner Familie in der Schweiz am Zürichsee. Ich bin selbstständiger Job-Coach, Personalberater und Trainer, Ehemann und stolzer Vater einer Tochter sowie gesellschaftlich engagierter Mensch. Seit Dezember 2004 publiziere ich persönlich und authentisch – in diesem Blog wie auch in Fach- und Experten-Weblogs wie im JobBlog.