Es begann mit der jährlichen Kontrolle beim Gynäkologen. Wie schon zwei Jahre zuvor wurde eine Dysplasie festgestellt. Es sei nichts Schlimmes und müsse gelegentlich in einem kleinen Eingriff operativ entfernt werden. Die letzten Wochen des Jahres waren wie immer – fast.

Freitag, 1. November 2013

Der erste Besuch unserer Tochter N. beim Frauenarzt. Sie wählt mit Dr. R. bewusst jenen Gynäkologen, der sie vor gut 16 Jahren per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht hat – irgendwie schön. Bei ihr geht es um ihre erste gynäkologischen Jahresuntersuchung und die HPV-Impfung. Meine Frau P. geht mit und absolviert ihren jährlichen Routine-Untersuch – der letzte ist schon über ein Jahr her. So weit, so gut …

Montag, 25. November 2013

Ein ungewöhnlicher Anruf des Frauenarztes: der Befund für N. sei negativ, also in Ordnung. Mit P. aber wolle er baldmöglichst persönlich sprechen. Uns ist schlagartig klar, das kann nichts Gutes bedeuten!

Dienstag, 26. November 2013

P. ist bei Dr. R. Am Gebärmutterhals befänden sich veränderte Zellen, eine sogenannte Dysplasie. «Nichts Schlimmes», der Bereich mit den betreffenden Zellen müsse einfach in den nächsten 6 Monaten entfernt werden – sicherheitshalber. Er selber operiere aber nicht mehr und würde sie an einen Kollegen, Dr. S., überweisen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Die erste Besprechung meiner Frau mit dem operierenden Gynäkologen Dr. S: Nun klingt’s schon nicht mehr ganz so simpel: Nicht bis im Frühling warten, schnell vorwärts machen machen, Operation noch im Januar, meint er. Er fragt im See-Spital in Horgen nach und legt das Datum für den Eingriff fest: 16. Januar 2014. P. kommt nach Hause – sie wollte allein zum Arzt, wollte kein grosses Theater machen. Aber jetzt, mit dem konkreten Termin für den Eingriff, wird ihr bewusst, dass es nicht einfach etwas Kleines sein kann. Sie weint und sagt den Satz, den ich wohl nie mehr vergessen werde und der mir jedes Mal, wenn ich an ihn denke, die Tränen in die Augen triebt: «Ich habe doch so Angst vor dem Sterben!» Mir reisst’s fast das Herz raus. Grosse Ängste, viele Tränen. Als N. von der Schule nach Hause kommt, erklären wir es ihr. Sehr ausführlich – sie ist ein gescheiter Mensch. Wieder viele Tränen, aber das ist gut so.

Zum Jahresende:

Die gut vier Wochen bis zum Spitalaufenthalt sind nicht einfach, aber doch leichter, als wir es befürchtet haben. Selbstverständlich haben wir alle drei (und unsere Angehörigen und Freunde) Angst. Aber mit jedem Tag wächst bei jedem von uns die Zuversicht, dass es nichts Schlimmes ist. Wir sind überzeugt: alles wird durch diesen kleinen Eingriff wieder gut. Sogar die Weihnachtsfeiertage sind eigentlich so wie alle Jahre. Vielleicht geniessen wir die ruhigeren Tage etwas bewusster, Silvester auch. Natürlich schweifen unsere Gedanken an diesem Tag in die Zukunft. Wie wir wohl Ende 2014 auf diese Tage und Wochen zurückblicken werden …?

Nach-gedacht am 22. Januar 2014:
Im Nachhinein erstaunt es mich doch, dass wir in diesen Monaten so ruhig bleiben konnten. Naiv? Intuitiv? Ich weiss es nicht. Doch hat uns das sicher geholfen, die Sache besonnen und mit viel Zuversicht anzugehen. Selbst als wir wussten, dass der kleine Eingriff relativ bald durchgeführt werden sollte, sind wir davon ausgegangen, dass danach alles wieder gut sei.

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Es ist Krebs! – Nur die übliche Jahreskontrolle beim Gynäkologen

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